Ich war gestern auf der Foire Saint Jean, auf dem Volksfest hier in Straßburg. Schon seit langem war ich nicht mehr auf so einem Volksfest gewesen, deswegen konnte ich alles mit anderen und offenen Augen beobachten. Bitte lest das Folgende wohlwissend, dass ich niemanden für seine Situation verurteile. Man wird in ein bestimmtes soziales und wirtschaftliches Umfeld hineingeboren, aus dem man nur schwer wieder rauskommt.
90 % der Menschen gehörten der untersten sozialen Schicht an, das was Marx als das Proletariat bezeichnet. Es waren einfache Arbeiter, Verkäuferinnen und ähnliches. Ihre Körper waren von schwerer Arbeit gekennzeichnet oder von langem Sitzen. Ihre Klamotten hatten sie im Discounterum die Ecke gekauft, sie trugen Jogginghosen, Trikots von Paris Saint Germain und Leggings und Jeggings und was weiß ich. Aber, und das ist auch ein Zeichen dieser Klasse: Sie trugen alle Markenschuhe von Nike und Addidas.
Die Meisten waren Menschen mit Migrationshintergrund aus 1., 2. oder dritter Generation, mich eingeschlossen. Das sah man an der Hautfarbe (Ich bin mir bewusst, dass Jemand der NICHT weiß ist, nicht automatische Ausländer sein muss), das hörte man an den Sprachen oder sah man an den Kopftüchern. Ich habe vielleicht 10% weiße westeuropäische Menschen gesehen, die aus der Mittelklasse stammen. Warum erzähle ich euch das?
Um euch zu zeigen, dass die weißen, westeuropäischen Franzosen und Ausländer NICHT zum Volksfest gehen. Sie geben ihr Geld nicht aus, für Lose mit denen sie niemals die Kawasaki gewinnen könnten, weil alle Lose sowieso Nieten sind.
Und vor allem: sie geben ihr Geld nicht für Essen aus, das purer Zucker ist. Denn die Hälfte der Menschen die ich dort sah, war übergewichtig. Das fing schon bei Kleinkindern an. Bekanntlich macht Zucker glücklich, aber es macht auch süchtig.
Was lernen wir aus dieser Geschichte?
Auf diesem Volksfest gaukelt man den Ärmsten vor, dass sie teure Sachen gewinnen könnten, Sachen die sie sich niemals leisten könnten. Man gibt ihnen tonnenweise Zucker zu essen, billigen krankmachenden Zucker. Denn eine Familie aus der untersten Schicht, die nicht genug Geld hat, um in ein Café zu gehen, wo sie mindesten zwanzig Euro ausgeben wird, geht auf den Jahrmarkt und holt sich eine Tüte Churros für fünf Euro. Eine Familie aus der unteren Schicht wird eher 3 Euro ausgeben, um vielleicht ein Dirt Bike zu gewinnen, als wirklich ein Dirt Bike zu kaufen.
Wir dürfen nicht vergessen, dass dieses Verhalten auch zu den Gewohnheiten, oder zu dem Habitus, um es in den Worten von Pierre Bourdieu zu sagen, dieser sozialen Gruppe gehört. Alle gehen zum Volksfest, trinken Cola und essen Churros, das ist eine ungeschriebene soziale Konvention dieser Gruppe.
Und das Schlimmste daran ist, dass unsere Zuckerindustrie daran gewinnt. Zusätzlich tut die Regierung natürlich alles, um diese Menschen, die die Drecksarbeit der Gesellschaft erledigen, mit den einfachsten Mitteln der Menschheit ruhig zu halten: Mit Brot und Spielen, oder sollte iich lieber sagen, mit Zucker und Netflix.
Das beste Mittel gegen diesen Zustand, wären bessere Erziehung und Bildung und eine andere Politik.
Bleibt am Ball und vergesst nicht, mit offenen Augen durch die Welt zu laufen.
Ciao.
