Eine Begründung, warum man sich mit den Schriften Marx beschäftigen sollte, ist eigentlich hinfällig. Trotzdem; es ist eine der Schriften, die den größten politischen Erdrutsch im 19. und 20. Jahrhundert ausgelöst hat. Die Entstehung des Kommunismus hat zur Führung zweier Blöcke geführt, hat die Gesellschaft und ganze Familien gespalten. Seine (geschichts-) philiosophischen und ökonomischen Schriften haben jedoch nichts an Aktualität verloren.
Zum Ersten, bemängelt Marx in seiner Schrift “Zur Kritik der Hegel’schen Rechts-Philiosphie” vor allem eins: Die Passivität der deutschen Philosophen. Ich zitiere:
Ihr Unrecht besteht nicht in der Forderung, sondern in dem Stehnbleiben bei der Forderung, die sie ernstlich weder vollzieht, noch vollziehen kann. (…) Ihr könnt die Philosophie nicht aufheben ohne sie zu verwirklichen.
Zitiert aus: Marx, Karl: Zur Kritik der Hegel’schen Rechts-Philosophie. In: Rohback, Johannes; Breitenstein, Peggy (Hrsg.): Karl Marx Philosophische und Ökonomische Schriften. Reclam, 2008. S.17- 18
Was bedeutet dies? Marx unterstützt die Idee, dass Philosophie nicht ein Hirngespinst ist, das hoch oben in den Himmelssphären herumschwirrt, sondern dass Philosophie gelebt werde muss. Philosophie muss aktiv umgesetzt werden, damit sich die der Mensch und seine Gesellschaft zum Besseren verändern können.
Für uns heute ist das genauso aktuell wie vor 150 Jahren. Wollen wir wirklich etwas gegen den Nationalsozialismus à la PEGIDA und AFD machen, müssen wir auf die Straße. Wollen wir wirklich die Umwelt schützen, müssen wir endlich Autos, Glyphosat und Plastik verbieten. Doch leider sind unsere Politiker und Politikerinnen, unsere Bürokraten und Technokraten pure Theoretiker. Sie labern und labern und versprechen uns allerlei schönes Zeug wie Kindern an Weihnachten. Beim Aufmachen des Geschenkpapiers merken wir, dass nur heiße Luft drin ist. Und ganz viel Schmiergeld von den ganzen Lobbyisten, die den wahren Wandel verhindern, den die Gesellschaft so dringend braucht.
Dazu wie die Umsetzung ablaufen soll, äußert sich Marx auch ganz klar:
Die Waffe der Kritik kann allerdings die Kritik der Waffen nicht ersetzen, die materielle Gewalt muß gestürtzt werden durch materielle Gewalt, allein auch die Theorie wird zur materiellen Gewalt, sobald sie die Massen ergreift. Die Theorie ist fähig die Massen zu ergreifen (…) sobald sie radikal wird. Radikal sein ist die Sache an der Wurzel fassen. Die Wurzel für den Menschen ist aber der Mensch selbst.
Zitiert aus: Marx, Karl: Zur Kritik der Hegel’schen Rechts-Philosophie. In: Rohback, Johannes; Breitenstein, Peggy (Hrsg.): Karl Marx Philosophische und Ökonomische Schriften. Reclam, 2008.S. 19.
Als Pazifist lehne ich körperliche Gewalt kategorisch ab. Aber Marx spricht in diesem Artikel nicht nur von der Gewalt der Waffen, sondern auch von der Gewalt der Massen. Das heißt, sobald die Massen von der einen Theorie, also von dieser Idee ergriffen sind, ist das materielle Gewalt, weil viel Menschen hinter einer Idee stehen. Die Gewalt der Waffen und der Massen liegt jeglicher Revolution und Ideologie zugrunde. Von den Sansculotten, zu den Kommunisten und Faschisten. Eigen ist diesen Massenphänomenen, dass die Theorie radikal von einer großen Menschengruppe vertreten wurde. Radikal heißt im Sinne Marx an der Wurzel packen, also beim Menschen selbst anfangen. Wollen wir unsere heutige Gesellschaft also ändern, dann müssen wir es schaffen
a) viele Menschen hinter ein und dieselbse Idee zu bringen, das heißt zum Beispiel die Menschen aufklären, dass sie kein in Plastik eingepacktes Gemüse oder lieber faire Kleidung kaufen sollen.
b) dass die Menschen erkennen, dass nur eine Verhaltensänderung, also ein an-die-Wurzel-packen weiterhelfen kann.
Einfach ist dieses Unterfangen nicht. Eine Handvoll multinationaler Großkonzerne beherrschen und zerstören die Welt. Bio, faire Kleidung, kein Plastik, autonome Häuser. Das alles sind Optionen die nur für eine kleine, intellektuelle Elite verfügbar sind, die das nötig Kleingeld im Geldbeutel hat, um dies zu verwirklichen. Ein einfacher Arbeiter, der fünf Köpfe ernähren muss, wird weiterhin bei LIDL einkaufen, weil er keine Wahl hat.
Zwei Aspekte verhindern also die Überschwappung von radikalen Ideen auf große Massen: Geld und Bildung.
In den Schulen müsste Unterricht in Nachhaltigkeit und Umweltschutz erteilt werden. Doch das ist nicht vorhergesehen. Man macht allenfalls eine Einheit in einem Schuljahr dazu. Das reicht bei weitem nicht aus.
Tja, und dann wären wieder bei der alten Frage, die seit Geburt des Kapitalismus allen durch den Kopf schwirrt, die im Kapitalismus keine annehmbare Wirtschaftsform sehen:
Wie kommen wir aus der Teufelsspirale des Geldes heraus?
Ich selber habe noch keine Antwort gefunden. Am liebsten würde ich mich mit hundert Ziegen in die Pyrenäen verziehen.
Ich freue mich auf Kommentare
Haltet die Augen offen

Ich war gestern auf der Foire Saint Jean, auf dem Volksfest hier in Straßburg. Schon seit langem war ich nicht mehr auf so einem Volksfest gewesen, deswegen konnte ich alles mit anderen und offenen Augen beobachten. Bitte lest das Folgende wohlwissend, dass ich niemanden für seine Situation verurteile. Man wird in ein bestimmtes soziales und wirtschaftliches Umfeld hineingeboren, aus dem man nur schwer wieder rauskommt.